Dienstag, 17. Juni 2014

Hartz IV - Angebot



Nein, damit will ich nicht sagen, dass mir jemand angeboten hätte, gleich ins ALG II einzusteigen (um etwa einen Bundesfreiwilligendienst zu machen;-),nein, aber ich habe neulich einen Aufsteller vor einer Kneipe in Bahnhofsnähe in Heilbronn gesehen, als ich auf einen Bus gewartet habe:
Unser Hartz IV- Angebot
Bier und Korn 3 Euro

Irgendwie ganz schön traurig oder?

Goodbye Dresden



Es ist soweit, ich habe mich von Dresden als Wohn- und Arbeitsstätte verabschiedet.
Am Freitag war mein letzter Arbeitstag und man entließ mich würdig mit einem Ostpaket und einem (echten) Orden.
Am Samstagnachmittag bin ich trotz des immer wieder regnerischen Wetters noch ein bisschen mit dem Rad gefahren und als ich so an allem vorbeifuhr, da musste ich schon ganz schön schlucken:
Goodbye Großer Garten
Goodbye Blaues Wunder
Goodbye Elbschlösser
Goodbye umstrittene Waldschlösschenbrücke
Goodbye Frauenkirche
Goodbye Hofkirche
Am Sonntag habe ich dann noch Goodbye Semperoper gesagt und mir eine letzte Vorstellung mit Stehplatz gegönnt (tja, eigentlich schon genial, wenn man ein Haus mit solchem Ruf vor der Nase hat und ab und an einfach so spontan eine Vorstellung besuchen kann).
Für alle, die also noch nie in Dresden gewesen sind: es gibt viel zu sehen und zu erkunden. Dresden ist groß, hat viele ganz unterschiedliche Gegenden, auf jeden Fall viel alte Kultur, aber auch jede Menge alternative Kultur in der Neustadt.
Ja, es hat mich schon ein bisschen traurig gestimmt zu gehen, aber es kommt ja wieder was Neues.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Es wird mal wieder Zeit ...

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen. Als Frau erst recht ;-)
Zwar mache ich nicht wirklich eine Reise im Sinne von Urlaub in anderen Ländern, aber ich bewege mich mal wieder von einer Kultur in eine andere. Im Moment springe ich noch ein bisschen zwischen den (sächsischen und badischen) Welten hin und her, sollte aber doch bald hier im Kraichgau heimisch werden. Und weil ich damit wieder mal Leute zurücklasse, mit denen ich in letzter Zeit immer mal wieder ein Alltagsschwätzchen gehalten habe oder weil manche bei meinem Nicht-dauerhaft-Sesshaftwerden schon langsam den Überblick verlieren könnten, und weil ich im Moment auch Zeit dafür habe, schreibe ich einfach mal wieder einen Blog. Damit wer mag Aktuelles von mir lesen kann. Mal sehen, wie lange das geht ...
Viele Grüße aus dem Kraichgau

Nicole

Deutschland, Deine Outlets



Für was es mittlerweile schon alles Outlets gibt, einfach unvorstellbar. Jetzt ganz neu: Blumen-Outlet! Schnittblumen, Sträuße und kleine Gestecke, die an Tankstellen geliefert und dort nicht verkauft wurden, gibt es zweimal in der Woche zum Schnäppchenpreis von 50 Cent pro Exemplar. Die Lagerhalle befindet sich in einem Industriegebiet, neben Samstagvormittag ist sie auch am Mittwochnachmittag ab 15h geöffnet. 10 Minuten vor 15h fahren wir vor, es gibt kaum Parkplätze, der ganze Straßenrand ist zugeparkt. Viele Frauen mittleren Alters kommen mit Körben und Waschwannen, es bildet sich bereits ein Pulk vor dem Garagentor (aber noch ist alles friedlich ;-). Der Gabelstaplerfahrer auf dem angrenzenden Grundstück ist nonstop damit beschäftigt, älteren Herren, die ihre Frauen im Mercedes möglichst nahe an den Eingang fahren wollen, zu erklären, dass dies hier Privatgrundstück sei und nicht als Parkplatz zum benachbarten Blumen-Outlet gehöre.
15h – die Tore öffnen sich, die Menschen strömen. Ich bin völlig überfrachtet, nahezu erschlagen von den Rollwägen mit massenhaft Orchideen-Gestecken (drei Blüten jeweils in einem Plastikwasserfläschchen, sehr nett übereinander drapiert in einem herzigen kleinen Blumentopf – vermutlich noch Reste von nachträglichen Muttertagsgrüßen). Die ersten Gruppen bilden sich am Rande. Jetzt weiß ich, wozu manche ihre Kinder mitgebracht haben. Die bewachen die bereits zusammengestellten Schätze, während die Eltern erneut auf Beutestreifzug gehen. Schließlich hat der eine oder die andere einen wertvollen Fuchsienstock, eine eingetopfte Sonnenblume oder eine Hängepflanze ergattert. Doch auch die Schnittblumen und Sträuße (von denen mir zunächst abgeraten wurde, da außer den Bartnelken nichts mehr als einen Tag lang frisch halte) finden nach und nach ihren Absatz „Ei die habbe doch Konzert von der Musikschul. Da hab i was fürd Lehrerin!“
Die drei Damen am improvisierten Kassentisch sind freundlich und zählen geduldig die vielen Neuerwerbungen der Kunden. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass es so viel billiger sein muss, Massen an Blumentöpfen für 50 Cent zu verschleudern, als sie wieder neu zu bepflanzen, der Arbeitsschritt des Blumentopfleerens wäre wahrscheinlich personaltechnisch gesehen zu teuer. Auch ich und mein Begleiter tragen dann den Korb mit Pflanzen für 3,50€ zum Auto, dass zwei Straßenecken entfernt steht. Vielleicht komme ich bald mal wieder, am besten noch ein paar Minuten früher, und bringe ein paar Kochrezepte zum Austauschen mit, hier könnte ich sicher viele wertvolle Tipps bekommen. Und dann bringe ich Euch auch mal ein Foto mit ;-)

Deutschland, Deine Wahlen

Nun ist der Wahltag zwar schon vorbei, trotzdem will ich Euch meine Beobachtungen und Rückschlüsse von letzter Woche nicht vorenthalten.


Am 25. Mai haben wir alle Europawahlen, manche wählen auch noch etwas mehr. Hier im Kraichgau werden auch der Ortschaftsrat und der Gemeinderat gewählt, letzterer über eine „unechte Teilortswahl“. Schon mal gehört? Ich jedenfalls nicht.  Aber letzte Woche waren wir als „Wahlhelfer“ unterwegs und haben im ganz ursprünglichen Sinne beim Wählen geholfen. Das ist nämlich gar nicht so einfach und weil es so lange dauert, haben alle ihre Stimmenblocks schon vorher zugesandt bekommen. Auf der ersten Seite die Erklärung, dann folgen viele lange schmale Zettel, für jede Partei einer. Auf dem jeweiligen Zettel dann nach Ortschaften sortiert die Kandidaten der jeweiligen Parteien. Zu vergeben sind 32 Stimmen, bis zu 3 können auf eine Person entfallen. Klingt erstmal noch nicht so schwierig. Beim Vergeben der Stimmen muss ich aber nun darauf achten, dass ich aus jedem Ort nur eine bestimmte Anzahl von Leuten wählen darf, mal nur einen, mal zwei, mal bis zu neun. Sollte es mir also passieren, dass ich auf der ersten Liste einen Kandidaten der CDU aus meinem Ort gewählt habe, dann auf einem der nächsten Zettel einen lokalen Kandidaten der Grünen und dann bei den Freien Wählern auf dem übernächsten Blatt noch eine Dame aus meinem Dorf, die ich für kompetent halte, dann ist der Zettel schon (teil-)ungültig. Weil ich aber zwischendurch noch 20 andere Stimmen vergeben habe, habe ich das aber vielleicht gar nicht so im Blick. Oder ich habe im Wahlflyer mir alle Kandidaten angesehen und zwei junge dynamische ausgesucht neben einigen Erfahrenen und weil die jetzt alle aus anderen Orten sind, ich sie aber nicht eindeutig zuordnen kann, habe ich im Zettelwirrwarr übersehen, dass zwei aus dem selben Ort sind (aber einer anderen Partei), der nur einen Kandidaten benennen darf.
Ich empfehle zum Wählen daher folgende Hilfsmittel:
1.) Nur mit Bleistift eintragen, damit Nachbesserungen möglich sind.
2.) Radiergummi bereithalten.
3.) Taschenrechner nebendran legen bzw. separaten Zettel, auf dem die bereist vergebene Anzahl der Stimmen vermerkt wird.
4.) Separate Liste mit den einzelnen Orten und der Zahl der dort wählbaren Kandidaten. Wichtig: Immer einen Strich machen, wenn aus einem Ort jemand gewählt wurde.
5.) Bei warmem Wetter eine große Flasche Wasser, bei kaltem eine Kanne Tee.
6.) Bei Bedarf macht es evtl. mehr Spaß in großer Runde zu wählen. Für eine solche Wahlparty laden sie sich einfach ein paar Leute ein, besorgen genug Getränke und kleine Snacks, die Flyer mit Kandidaten können nett als Tischsets drapiert werden.
7.) Sollten Sie einen privaten Vorentscheid auswerten wollen, geben Sie jedem Ihrer Gäste einfach 32 Chips, die auf den Gesichtern der jeweiligen Kandidaten platziert werden dürfen. Es wäre ratsam, eine große Auswahl verschiedener Farben vorrätig zu haben, um zu überprüfen, dass niemand mehr als drei Stimmchips auf einen Kandidaten setzt.
8.) Zur Dekoration der Wahlparty erhalten Sie am Wochenende sicher Fähnchen der jeweiligen Parteien bei deren Wahlkampf in der nächstgelegenen größeren Stadt.